Best Practices – Product Backlog
Diese Anleitung unterstützt Product Owner dabei, ein verständliches, gepflegtes und wertorientiertes Product Backlog zu führen.
Ziel eines guten Backlogs
Ein gutes Backlog ist:
- Transparent: Inhalt und Reihenfolge sind für alle nachvollziehbar.
- Aktuell: Es wird regelmäßig gepflegt und bereinigt.
- Feingranular oben, grob unten: Oben liegen klar beschriebene Items, weiter unten grobere Ideen.
- Wertorientiert: Die Reihenfolge spiegelt Kundennutzen und Geschäftswert wider.
- Schätzbar: Das Team kann Aufwand und Komplexität in etwa einschätzen.
User Stories formulieren
Ziel: Anforderungen aus Sicht der Nutzer beschreiben.
- Empfohlenes Format:
„Als [Rolle] möchte ich [Ziel/Wunsch], um [Nutzen/Zweck] zu erreichen.“ - Jede Story liefert erkennbaren Mehrwert.
- Akzeptanzkriterien ergänzen, um Klarheit und Testbarkeit zu sichern.
- INVEST-Prinzip beachten (Independent, Negotiable, Valuable, Estimable, Small, Testable).
Beispiel:
Als Kunde möchte ich meine Buchung stornieren können, um flexibel reagieren zu können.
User Stories aufteilen (Splitting)
Ziel: Große Stories (Epics) in handhabbare Einheiten zerteilen.
Mögliche Splitting-Strategien:
- Entlang des Nutzungsvorgangs (z. B. Anzeigen → Auswählen → Bezahlen).
- Nach Daten-/Rollenvarianten (z. B. verschiedene Benutzerrollen).
- Technisch schrittweise (z. B. zuerst Backend-Funktion, dann UI).
Daumenregel: Eine Story sollte in wenigen Tagen (z. B. 1–3 Tage) umsetzbar sein.
Schätzen
Ziel: Gemeinsames Verständnis von Aufwand und Komplexität.
- Planning Poker mit Story Points verwenden.
- Fokus auf Komplexität, nicht auf exakte Zeit.
- Eine Referenzstory festlegen, die als Vergleich dient.
- Große Unterschiede in Schätzungen besprechen.
Schätzungen sind immer eine Teamaufgabe – nicht Aufgabe des Product Owners.
Priorisieren
Ziel: Sicherstellen, dass das Team an den wertvollsten Themen arbeitet.
Methoden:
- MoSCoW: Must / Should / Could / Won’t
- WSJF: Weighted Shortest Job First
- Value vs. Effort: Nutzen gegen Aufwand abwägen
- Kano-Modell: Basisfaktoren, Leistungsmerkmale, Begeisterungsmerkmale
Einflüsse:
- Geschäftswert und Kundennutzen
- Risiken / Unsicherheit
- Abhängigkeiten
- Kundenfeedback & Marktveränderungen
Priorisierung ist ein kontinuierlicher Prozess – nicht nur kurz vor dem Sprint Planning.
Optional: Backlog Refinement
- Wöchentliches Treffen (ca. 10 % der Sprintzeit).
- Teilnehmende: PO, Entwicklungsteam, bei Bedarf Scrum Master.
Ziele:
- Stories prüfen, überarbeiten, verfeinern.
- Schätzungen ergänzen oder aktualisieren.
- Prioritäten klären.
Definition of Ready (DoR)
Eine Story ist „bereit für den Sprint“, wenn typischerweise:
- Beschreibung verständlich ist.
- Akzeptanzkriterien vorhanden sind.
- Abhängigkeiten bekannt und geklärt sind.
- Eine Schätzung vorliegt.
Zusammenfassung
Ein wirkungsvolles Product Backlog entsteht durch:
- klare User Stories,
- regelmäßiges Refinement,
- transparente Priorisierung und
- kontinuierliche Pflege.
So schafft der Product Owner den Rahmen, in dem das Team den maximalen Wert liefern kann.